Agentur

Mit Marmite-Toast im Dreistockbett

Derzeit ist unser Grafiker Brian für eine Weile in Großbritannien unterwegs, um den Kopf ein bisschen frei zu kriegen und mit neuen Ideen und Tatendrang zurück nach Thüringen zu kommen. Hier ein kleiner Einblick in seine Erfahrungen und Erlebnisse:


Der Brexit naht und der Pfund-Kurs sinkt tagtäglich weiter – der optimale Zeitpunkt also, um Großbritannien zu bereisen. Das Auslandssemester meiner besseren Hälfte in Norwich war für mich ein weiterer Anlass, den Grafikerkoffer zu packen und für eine Weile mit auf die Insel zu verschwinden. Mein in
Deutschland eher ungewohnter Vorname ist hier völlig üblich, sodass sich das Unternehmen sehr schnell sehr richtig angefühlt hat. Ganz großartig ist die Möglichkeit, timespin auch von hier weiter unterstützen zu dürfen – dank abgeschaffter Roaming-Gebüren, VPN-Zugängen und Cloud- Applikation wie Stackfield (www.stackfield.com) wird Remote-Working zum Kinderspiel. So freuen sich Firma und Kunden weiterhin über meine Arbeit, während ich mich seltener an meinem Ersparten vergreifen muss. Win-Win – danke Internet, danke timespin! Die Arbeit von „Zuhause“ macht großen Spaß, ich teile mir die Arbeitszeiten frei ein und kann damit auch mal spontaner auf Pub-Einladungen reagieren. Das Ganze setzt natürlich eine gewisse Disziplin voraus, aber das tut das Arbeiten mit festem Arbeitsplatz ja auch. Ein bisschen vermisse ich auch jetzt schon die Gespräche mit Kollegen (fachlicher und privater Natur), die natürlich trotz aller Vernetzung seltener stattfinden.

Der fachliche Teil wurden durch Internet-Tutorials und Podcasts (sehr empfehlenswert: formfunk-podcast.de) ersetzt, den Rest versuche ich durch das Eintauchen in die hiesige Kultur wettzumachen. Da es sich bei Norwich um eine Studentenstadt mit Kunsthochschule handelt und ich beim Umherreisen hauptsächlich in günstigen Hostels unterkomme (im teuren und überfüllten London z.B.: dreistöckige Hochbetten in Schlafsälen), lerne ich vor allem jüngere Leute aus aller Herren Länder kennen – tatsächliche Briten sind dabei eher in der Minderheit. Grundsätzlich ist mein Eindruck, dass es auf der Insel, internationaler und vor allem architektonisch etwas enger zugeht (der Name ‚England‘ hat sicher eine andere Herkunft, scheint aber sehr passend), was die Sache im Winter aber umso gemütlicher macht. Die viel zu steilen Treppen der Wohnhäuser sind mit Teppichen ausgelegt, und hier in Norwich ist sogar der Toilettensitz gepolstert. Dass die Briten so höflich und distanziert sind, scheint vor diesem Hintergrund etwas seltsam, passt aber dennoch ganz gut ins Bild – scheinbare Widersprüche sind keine Seltenheit und machen die Kultur so liebenswert. Modernstes High-Speed-Internet, aber getrennte Wasserhähne für warm und kalt? Nasskalter Nieselregen bei 4°C, aber ohne Jacke im Cocktail-Kleidchen vor dem Club anstehen? Alles vollkommen normal.

Kulinarisch gibt es (wider Erwarten) auch abseits vom allgegenwärtigem und köstlichen Tee einiges zu entdecken. Ich bin ein großer Fan davon, Nahrungsmittel unkonventionell zu kombinieren – ein Sandwich, das ausschließlich mit Pommes belegt ist, Lamm in Minzsoße oder die seltsamen übergroßen Windbeutel namens Yorkshire-Pudding, die zu jedem Sonntagsbraten gehören, lassen mein Herz daher automatisch höher schlagen. Dass es dabei grundsätzlich an Salz fehlt, sei den Briten an dieser Stelle, verziehen, denn dafür gibt es Marmite: eine zähflüssige braune Paste, die so voller Geschmack ist, dass man sie entweder liebt oder hasst (Link zur Studie). Glück gehabt: ich liebe sie.

(Design)-Zentrum ist vor allem London, wo man z.B. ohne Eintritt Museen und Galerien von Weltniveau besuchen kann (Empfehlung für Designer und Design- Interessierte: The Design Museum), auch den Großteil der britischen Agenturszene zieht es hierher. Die Werke von weltbekannten Street-Artists wie Banksy kann man hier ebenfalls entdecken und (für mich als Kommunikations- Design-Nerd ebenfalls sehr reizend): der öffentliche Nahverkehr ist unglaublich gut gestaltet. Es ist wirklich eine der teuersten, aber definitiv auch eine der schönsten Städte der Welt. Allerlei Inspiration findet sich aber auch abseits Londons und der klassischen Galerien (von denen auch andere größere Städte wie Manchester und Glasgow viele zu bieten haben). Dank der leicht abgeschiedenen Insellage haben sich verschiedenste Abweichungen von der europäischen Norm entwickelt (prominentestes Beispiel ist wohl der Linksverkehr), die einen tagtäglich zum Umdenken zwingen und damit ganz nebenbei die Kreativität anregen. Im Falle des Linksverkehrs habe ich anfangs oft Fahrer und Beifahrer in anderen Autos verwechselt – so unfassbar viele autofahrende Babys und Hunde auf einmal!

Zum Erscheinen dieses Artikels werde ich gerade unterwegs zum nördlichsten Ende der Insel in Schottland sein, um dort die Weihnachtsferien zu verbringen. Ich bin schon gespannt welche Eindrücke mich dort erwarten und wünsche allen Kollegen und Kunden ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Cheers, Brian