Grafikdesign

Let’s get forward

Unsere Grafikdesigner Tino und Brian hatten Mitte Juni die Chance, den eigenen Horizont zu verlassen und sich mit anderen Designern über den Schaffensprozess auszutauschen. Zwei Tage sollten unsere Grafiker Neues entdecken und Trends aufzuspüren – zwischen Weißwurst und allerhand inspirierenden Vorträgen von namhaften Designern wie Stefan Sagmeister, Pfadfinderei, Snask, Freitag Taschen, Slanted, Niklaus Troxler uvm.

Wir geben Euch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Sprecher. Zudem möchten wir einige Inspirationsquellen weitergeben und werfen Einblicke in clevere Unternehmensstrukturen. Los gehts!



Mit einem ausgeklügelten Leitsystem Geflüchteten helfen
Büro Bauer aus Wien macht es vor.

Die Agentur und Gesellschaft für Orientierung und Identität stellte sich die Frage: Was können GestalterInnen konkret beitragen, um die Lage der Flüchtenden zu verbessern? Sie entwickelten ein sprachunabhängig verständliches, iconbasiertes System für Erstunterkünfte, das die wichtigsten Infos deutlich zeigt und auf ethnische Besonderheiten eingeht. Die einfach handhabbaren Gestaltungsvorgaben und Icons  auf prägnant grünen Untergrund kann die jeweilige Flüchtlingsunterkunftsstelle kostenlos downloaden und vor Ort praktisch einsetzen.

www.buerobauer.com/projekte/first-aid-kit

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We needed something, so we did it
Wie die Brüder Freitag Strukturen hinterfragen und sich dabei von Mitarbeitern inspirieren lassen.

Inspiriert durch den Schwerlastverkehr entwickelten sie in den 90er Jahren verschiedene Taschenmodelle aus gebrauchten LKW Planen. Das Unternehmen wuchs, der Markt war schnell übersättigt und man erkannte, dass auch die interne Unternehmensstruktur verändert werden musste, um auf neue Produktideen zu kommen. Bei Freitag nennt man diese Entwicklung «Beyond Budgeting» oder «Beta-Kodex». Im Wesentlichen geht es darum, Hierarchien, die zur Starrheit tendieren, durch etwas Vitaleres zu ersetzen. Bei der Implementierung hielt man sich an «Scrum», eine Vorgehensweise, die ursprünglich aus der Softwarebranche stammt. Man setzt ein Vorhaben in die Tat um, ohne dessen Ende genau zu kennen, fokussiert auf die 20 Prozent der Leistung, die als die wichtigsten gelten, zieht daraus Schlüsse und schreitet dann weiter voran. Mitarbeiter greifen aktiv in Prozesse ein und können neue Rollen besetzen. So könnte ein Designer eine Marketingrolle einnehmen und neue Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, die für seine Arbeit wichtig sind. Dieser Prozess wurde bei Freitag in die Unternehmenskultur verankert.

www.nzz.ch/wirtschaft/unternehmen/rueckkehr-zum-gruendergeist-von-einst-1.18647588
de.wikipedia.org/wiki/Beyond_Budgeting

Sie entwickelten ein reelles Wandboard aus Legosteinen. Jeder Stein steht für einen Zeitraum von 4 Stunden. Im Sinne einer besseren Ressourcenplanung, bekommen die einzelnen Abteilungen ein oder mehrere Steine, um ihr Aufgabengebiet im Prozess festzulegen. Des Weiteren steht Mitarbeitern eine Auszeit (Time in space) zur Verfügung, um sich gemeinsam oder alleine Gedanken über neue Produktideen zu machen. Die Auswertung der Ideen im Team und bringt der Firma und den Mitarbeitern neue Erfahrungswerte. So entstand bei Freitag eine neue Kollektion aus recyclefähigen Materialien.

www.freitag.ch

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Trust your senses
Wie Supersense unsere Sinne wiederbelebt.

Spinnaugenmuskelexperte Florian Kaps aus Wien wusste lange Zeit nicht, wie er sich von anderen abhebt und etwas Kreatives in dieser Welt hinterlässt. Er rettete die letzte Polaroid Fabrik, belebte das Sofortbild wieder und ersponn daraus das THE IMPOSSIBLE PROJECT. Sein Vortrag wurde auf einem herkömmlichen Polylux präsentiert ganz ohne Firlefanz – was unserer Meinung auch erfrischend in Agenturkreisen wirken könnte.
Viel interessanter fanden wir in seinem Vortrag den Fakt, dass unsere Sinne nicht vollends in der digitalen Welt genutzt werden. Aus dem Grund gründete Herr Kaps einen Laden in Wien, in dem er sich ganz ausgiebig dem Schmecken, Riechen, Hören, Sehen & Berühren widmet. Dort kann man aus einem Setzkasten Printprodukte erstellen, Schallplatten schneiden und anhören, Geruchskapseln für besondere Momente kaufen, seine Fotoabzüge entwickeln und Polaroid Filme kaufen. Daumen hoch für soviel analoge Ideenvielfalt!

the.supersense.com

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Wie Plakate ohne Computer entstehen
Der Gründer eines Schweizer Jazzfestivals kreiert seine Plakate selbst.

Niklaus Troxler war der älteste Redner und überzeugte uns durch seine altehrwürdigen Printtechniken mit Bleistift & Kreide sowie Letraset-Buchstaben. Aus diesen Werkzeugen ergibt sich eine ständige Variationen in Form, Farbe und Typografie. Die Plakatideen für sein Jazzfestival im schweizerischen Willisau entstehen durch Assoziationen zu den teilnehmenden Künstlern. Selbstgemalte Fonts, Siebdrucke und Klebestreifen setzt er unverwechselbar ein. „Das Wichtigste ist die Fernwirkung, kleinen Text kann man bei Interesse lesen“. In den Zeiten der Digitalisierung hinterlassen seine Arbeiten einen herzerfrischenden Eindruck. Schaut mal in seine Arbeiten rein.
 
www.troxlerart.ch

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Form follows Pfannenkuchen
Wie die größte inhabergeführte Agentur KMS die Ursprünge hinterfragt.

KMS präsentierte in München kreative Ansätze, die Ausrichtung und Ausgangslage von Kunden nicht gleich zu akzeptieren sondern stark zu hinterfragen – unter dem Motto „Form follows Pfannkuchen“. Wenn man sich den Projektverlauf als Zubereitung eines Pfannkuchens vorstellt, läuft das Ganze folgendermaßen ab: Zunächst wird (natürlich immer in Zusammenarbeit mit dem Kunden) die Pfanne ausgewählt. Groß, klein, rund, eckig, oder doch in Herzform? Über diesen Schritt wird oft schnell hinweggegangen. Er erweist sich aber als der vielleicht wichtigste in der gesamten Pfannkuchen-Herstellung: Denn selbst wenn im zweiten Schritt tolle kreative Ideen und innovative Zutaten in den Teig kommen und im dritten Schritt durch perfekte Hitzeverteilung der Kuchen gleichmäßig und handwerklich einwandfrei ausgebacken wird – das Resultat wird die Form der Pfanne haben, die am Anfang festgelegt wurde. Um also am Ende mit dem Projekt nicht nur geschmacklich zufrieden zu sein, sollte schon ganz am Anfang viel Wert auf die Wahl der richtigen Pfanne gelegt werden: nur dann wird das Ergebnis auch rund. Oder eckig. Oder herzförmig.

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Make enemies & gain fans
Wie die schwedische Kreativagentur SNASK Rock 'n' Roll mit Design verknüpft und dabei alles richtig macht.

Branding und Film – darum dreht sich alles bei SNASK. Unkonventionelle Ideen werden mit einem Lächeln eingesetzt, wie die Re-Branding Kampagne für Nordkorea, welche im Falle der Demokratisierung des Landes natürlich kostenfrei eingesetzt werden kann.
Sie spielen mit dem Wort „Feinde“, denn aus Werbesicht können „Feinde“ identifizieren, wer man wirklich ist und das man für etwas und an etwas glaubt.

Ihr Manifest ergibt sich aus sehr wahren Ansätzen wie z.B:
„If you don’t like your job – quit and if you love someone – let it show“
„Talk with clients like you talk to your family, friends and pets.“
„Just because you wear a black suit, doesn’t mean you’re a goddamn professional.“ 
„Having enemies is a good thing. It proves that you stood up for something sometime in your life.“


SNASK sind Rock 'n' Roll! Im wahrsten Sinne des Wortes präsentierten sie am Ende des Vortrags ihre agentureigene Rockband VÄG :-)

www.snask.com
www.love-is-korea.com
 
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All my clients drive me crazy
Wie Stefan Sagmeister das Glück findet und weitergibt.

Der letzte Vortrag ist erfrischender Weise keine Abhandlung über Designprojekte sondern eher eine abwechslungsreiche Suche nach dem persönlichen Glück eines jeden Einzelnen von uns. Stefan Sagmeister legt alle sieben Jahre ein Sabbatical ein und schließt sein Studio Sagmeister & Walsh für eine Auszeit. Zur Entstehung des HAPPY FILMS ging er sehr systematisch drei Methoden nach, um glücklicher zu werden: Meditation, kognitive Therapie und Psychopharmaka! Diese Suche begleitete er selbst mit der Kamera. Im Ergebnis „The Happy Film“ verwebt er seine typografischen Kunstprojekte und zeigt uns, dass es auch noch etwas anderes als Agenturarbeit gibt. Dieser Film ist an uns alle gerichtet und streut kleine Hinweise, um glücklicher zu werden.

http://www.thehappyfilm.org

https://www.youtube.com/watch?v=skcp0EPIvlI


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Wir freuen uns, über die Impulse und Ideen von Brian und Tino und sind gespannt auf gemeinsame neue Projektansätze.

Mehr Informationen über das Festival:
www.forward-festival.com/munich/

© by JMVotography & Werner Streitfelder

© by JMVotography & Werner Streitfelder